Oberfränkischer Lehrertag 2021


„Durchbrechen Sie Ihre Barrieren im Kopf“

Sebastian Wächter ist einer der Top-100-Speaker von Speakers Excellence. Der BLLV Oberfranken konnte ihn für einen Vortrag zum „Lehrertag Oberfranken“ gewinnen. Am Ende gab aus dem Kreis der Lehrerinnen und Lehrer durchweg positive Reaktionen und richtig viel Zufriedenheit. Beispielsweise wurden viele Impulse zum Nachdenken gelobt. „Der Lehrertag – heute einmal völlig anders. Wir sind froh überhaupt einen Lehrertag durchführen zu können“, freute sich Bezirksvorsitzender Henrik Schödel.

„Man muss einmal über den Tellerrand schauen“, dies mache Sebastian Wachter deutlich, freute sich BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann. „Suchen wir nicht Probleme sondern nach Lösungen.“ Der BLLV kämpfe dafür dass sich das Mindset der Verantwortlichen Bildungspolitiker in Bayern einmal ändern kann. Vielleicht können solche Vorträge helfen dass sich etwas in der Wahrnehmung ändert. „Wir brauchen starke BLLVler. Wir geben alles.“

„Durchbrechen Sie ihre Barrieren im Kopf.“ Einfach gesagt, aber gar nicht so leicht. Sebastian Wächter zeigte in seinem Beitrag zum Lehrertag Oberfranken ganz praktisch auf, wie dies gelingen kann. Wie man sich erfolgreich und zufrieden erleben kann.

„Meine Story beginnt an einem kalten, aber richtig schönen Dezembertag. Wirklich ein Tag zum Genießen. Gemeinsam mit meinem Bruder (damals 23) bin ich (damals 18) zum Wandern.“ Auf halber Strecke ein Bach, über den sie müssen. Der Bruder springt hinüber. „Ich nehme Anlauf, bleibe mit Fuß in einer Wurzel hängen, schlage mit Kopf im Bach auf. Dann wird es ruhig.“ Er spürt wie ein Kribbeln durch den Körper geht. Fühlt sich unheimlich geborgen. „Ich bekomme alles mit, kann nur nichts mehr bewegen.“  

„Ich habe mir den 5. Halswirbel, das Genick, gebrochen.“ Auch Hände und große Teile der Arme sind gelähmt. Nie mehr wandern, nie mehr Fußball spielen. 95 Prozent der Muskeln sind gelähmt. So vieles ging nicht mehr. Darauf hatte sich zunächst sein Fokus gerichtet. Und dennoch ist er heute ein sehr aktiver Mann. Er fand einen Sport, den er machen kann: Rollstuhlrugby. Dort spielt er in der Bundesliga. Hier lernte er Entscheidendes von seinen Mitspielern: Die fragten was kannst du noch? Andere fragten immer was ist dir passiert? „Seit Jahren geht es wieder darum was ich kann und beitragen kann. Ein ganz neuer Blickwinkel.“  

Fokusieren

Wir alle sollten uns fragen: Worauf liegt unser Fokus? Wo liegt euer Fokus? Schaut ihr auf die Sachen die gut laufen? Auf Chancen? Die ihr beeinflussen könnt? Oder schaut ihr auf Probleme die ihr nicht beeinflussen könnt. Er musste weg kommen von den 95 Prozent – dessen was nicht mehr geht. Er lernte sich auf die fünf Prozent zu fokussieren was geht. „Zum Glück ist auch das noch ne ganze Menge.“

Es gibt viel was man nicht beeinflussen kann. Aber auch viel was ich beeinflussen kann. „Ich konnte mein Mindset wieder neu ausrichten und so weiter kommen.“ Leider gibt es mehr Problemsucher als Problemlöser.

Sebastian Wächter erinnert sich an sein erstes Spiel in der Rollstuhl-Rugby-Bundesliga. Kurz vor Schluss machte er einen entscheidenden Fehler: Er rammt einen Mitspieler, das Team verliert den Ball, es gibt Verlängerung. Gewohnt wäre eine Schuldzuweisung: aber die Mitspieler rufen: „Next Play“. „Das ist unser Codewort. Das wichtigste im Rugby ist das Umschalten. Wenn ein Fehler passiert ist gilt es umzuschalten, neu zu fokussieren und es neu zu versuchen.“ „Wie leicht oder wie schwer fällt euch das Umschalten? Wenn etwas nicht nach Plan gelaufen ist?“ fragte Sebastian Wächter.  

Lange hoffte er nach seinem Unglück auf eine Heilung, schließlich war es nur eine ganz kleine Verletzung mit erheblicher Auswirkung. Die meisten Menschen hofften bei Problemen – wie auch jetzt mit Corona –das alte Umfeld, die Welt von früher kehrt zurück. Er sitzt seit 13 Jahren im Rollstuhl, hätte darin verharren können. Oder fragen: Was kann ich beeinflussen?

Akzeptanz der Situation.

„Ich habe es akzeptiert, wenn auch nicht gemocht. Akzeptieren wie es ist und nicht hoffen und passiv bleiben. Akzeptanz ist die Voraussetzung etwas zu verändern. Dann den Fokus neu ausrichten.

Viele sagten in solchen Situationen „Ja aber“.  Veränderung wird nicht leicht, aber deutlich leichter. „Was ist euer Warum im Beruf? Was lässt euch durchhalten? Was berührt euch emotional am Beruf?“ Ein Beispiel sei das Ziel abnehmen zu wollen. Warum willst du überhaupt abnehmen? Warum willst du wirklich etwas verändern?  Ehrliche Begründungen, dann klappt es echt mit der Veränderung.

Er musste lernen Hilfe nachzufragen. Immer wieder tun Leute sich schwer Hilfe zu erfragen. Männer wollen sich keine Blöße geben. Frauen wollen niemand zur Last fallen. Gemeinsam – auch als Kollegium – Herausforderungen angehen, darin liegt ganz viel Potential. „Ich brauche ein Warum“. Muss lernen mit Rückschlägen umzugehen und im Zweifel nach Hilfe zu fragen.

Ziele

Trotzdem fällt es Menschen schwer sich Ziele zu setzen und loszulegen. Lieber keine Entscheidung treffen als eine falsche – die schlechteste Lösung. Die Angst vor Fehlern, als Versager dazustehen, beschäftigt viele. Veränderung bedeutet immer ein Stück Unsicherheit. Das ist normal. Nur man muss auch die Entscheidungen treffen. „Wenn ich das Gefühl habe es ist okay Fehler zu machen.“ Dann passieren weniger Fehler, man könnte die Arbeit mehr genießen.

Verantwortung

Es gibt so viele Begründungen, alles bequem zu rechfertigen.  Ich bin schlecht in Mathe. Ich bin zu alt. Wir bleiben in unserer Komfortzone, sozusagen auf dem Sofa liegen. Es sind kleine Formulierungen die viel bewirken können. So die Worte „bisher war ich … .“ Alkoholiker nehmen sich vor: „Nur für einen Tag bleibe ich nüchtern.“ Ich ziehe mich nicht mehr aus der Verantwortung. Ich brauche diese Ausreden nicht mehr. Die aktuelle Zeit verunsichert und überfordert viele Menschen. Diese Massivität an Veränderungen gab es vorher nicht. Es wird sich weiterhin noch schneller verändern. Wichtig ist sich eine Veränderungskompetenz aufbauen damit ich mich handlungsfähig fühle und Lösungen finde. Es braucht Akzeptanz, Fokus, Ziele und Verantwortung.

Rückblickend zum 8. Dezember 2007 und seinem missglückten Sprung über den Bach: Niemand hat mich gefragt, es ist einfach passiert. Auch ihr steht vor krassen Veränderungen. Niemand fragt euch leider bei den Veränderungen in politischen Entscheidungen, bei eigenen Problemen. Die treten einfach auf, passieren. Dann fällt es leicht sich in eine Opferrolle zu begeben, die Schuld woanders zu suchen. Dieses Baden in der Opferrolle – hat ihn nicht weiter gebracht. Irgendwann hörte es den Satz: Wer Opfer wird hat vielleicht Pech gehabt, wer Opfer bleibt ist selber schuld. Also raus aus der Opferrolle, rein ins Handeln. Veränderungen müssen auch emotional sein. Bringt dich dein momentanes Verhalten deinem Bedürfnis (Ziel) näher?

„Setz dich abends fünf Minuten hin und überlege was lief gut und worauf freust du dich am nächsten Tag? So geht man besser ins Bett“, riet Sebastian Wächter zum Abschluss.

Text und Fotos: Rainer Glissnik